Change - Eröffnungsrede Vernissage "Schmitt'n", Falkenstein
Uschi Edlinger, 2011

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
ich freue mich sehr, dass Sie sich heute Zeit genommen haben, nach Falkenstein zu kommen und mit uns allen hier ein paar gesellige, vielleicht sogar verändernde Stunden zu verbringen.

Ich glaube den Künstler muss ich hier in Falkenstein nicht lange vorstellen, vielleicht nur ein paar Worte zu seinen Einflüssen:

Eva Choung-Fux – ehemalige Professorin für Hochdruck und Fotografie an der Hochschule für Angewandte Kunst - war es, die seine Materialexperimentierung und seine Druckkenntnisse in eine bildnerische Richtung steuerte. Sie begleitete Alfred Hruschka in unterstützender Weise über 15 Jahre lang, war für ihn wegweisend, führte mit ihm unzählige Gespräche und gab ihm die Kraft aus der Anonymität herauszutreten und sich dem Künstlerdiskurs zu stellen.

Fredi ist es wichtig zu erwähnen, dass er seinen Zugang zur Kunst nicht auf akademischen Pfaden gefunden hat, sondern vielmehr als Autodidakt, im permanenten Austausch mit Menschen, Mentoren, philosophischen Lehren, seinen Materialien und der Natur.

Dieser Weg ist und kann natürlich niemals abgeschlossen oder zu Ende sein, wie auch seine Kunstwerke niemals „vollendet" sein werden. Wenn wir sie nun ansehen und auf uns wirken lassen, betrachten wir ganz nebenbei - und sicher nicht zufällig -  auch uns selbst.

Jedes Material, jeder Gegenstand, der hier in den Objekten zu sehen ist, trägt seine individuelle Geschichte in sich und der Künstler spendet respektvollen Umgang mit ihnen, denn die Achtung vor teils beschädigten, vergessenen oder kaputten Gegenständen erlaubt ihm, ein direktes Hineingehen in die menschliche Existenz.

Jute und textiles Gewebe finden ihren Ursprung im Faden, der als Grundvoraussetzung jenen Einzelteil darstellt, der das Gewebe zusammenhält. Er ist der unscheinbarste und doch wichtigste Teil im Prozess der Veränderungen.

Fredi sieht sich als Teil des Ganzen, als Künstler, der sich nicht über oder gar vor sein Werk stellt. Für ihn ist der Weg das Ziel. Er schreibt seinen Objekten nicht vor, wie sie zu sein haben. Seine Arbeiten entstehen spontan, losgelöst von genauer Planung und akribischer Vorarbeit und sind immer "work in progress".

Sie werden erst während des künstlerischen Arbeitsprozesses zu dem, was sie schlussendlich sind. Sämtliche Einflüsse und Begebenheiten, die im Entstehen des Kunstwerkes „passieren“, greift er auf und lässt sie aktiv miteinfließen, als immerwährender Austausch mit dem Material und dem kreativen Akt.

„Mir ist nichts zu kaputt oder zu alt“, sagt er gerne. Alles kann somit Ausgangsmaterial sein. Vielmehr ist es so, dass er Kategorisierungen wie neu/alt oder schön/schmutzig gar nicht erst zulässt, sonder vorurteils- und wertefrei – fast wie ein Kind mit ungebrochener Neugierde -  an alle Dinge und Fundstücke herangeht. Dies ist mit Sicherheit eine Gabe und macht das Exzeptionelle seiner Werke aus.

Zufällig entstandene Dinge während des Arbeitsprozesses, werden so zu Pseudo-Gewolltem. Fredis Kunst oktroyiert nichts, weder dem Betrachter, noch den verwendeten Ausgangsmaterialen. Letzteren fühlt er sich immer verpflichtet. Er lebt mit ihnen im wechselseitigen Dialog einer gegenseitigen Befruchtung, eines Aufnehmens und Abgebens. Alles ist somit Teil des Ganzen. Teil einer Veränderung.

TIME TO CHANGE: Unser Motto heute Abend!
Trotz permanenter Medienpräsenz ist dieses Thema aktueller denn je und kann uns gar nicht oft genug aufrütteln. Doch wieso ist es so schwer sich zu verändern? Wollen Sie etwas verändern? Ja? An sich? Oder lieber an den anderen? Am Ehepartner vielleicht?

"I'm gonna make a change, for once in my life.
It's gonna feel real good,
gonna make a difference, gonna make it right."
("Man in the Mirror", Michael Jackson 1988, lyrics by Siedah Garrett)

Verändern heißt, Gewohntes zu verlassen. Neue Wege zu bestreiten. Etwas zu wagen. Doch wenn es um die eigene Veränderung geht, hängen wir alle lieber am Status quo. Dabei können wir uns gar nicht nicht verändern – so wie wir auch nicht nicht kommunizieren können.

Oft wissen wir ganz genau, was wir neugestalten und modifizieren sollten. Traurig aber wahr, in Lebenskrisen gelingt es meist. Erst in Ausnahmesituationen wie Krankheit und Tod, können wir uns selbst überwinden und dauerhafte Veränderungen herbeiführen.

Durch Zulassen neuer Sichtweisen und Wahrnehmungen, in Begegnungen und im objektiven Austausch mit anderen, sind Wandlungen möglich. Oder mit Kunst. Mit Objekten, die etwas erlebt haben, etwas mitteilen möchten, wenn wir den Mut finden, es zuzulassen und ihre Wirkungen in uns zu spüren. "Veränderung ist das einzig Beständige“, sagt Heraklit, denn "Alles fließt" (Panta rhei).

Ich möchte Sie nun einladen, sich beim Betrachten der Objekte auf Geschichten einzulassen. Im doppelten Sinne: auf die Geschichten, die aus den Kunstwerken zu uns sprechen und auf ihre eigene Lebensgeschichte, die in jedem Moment zu Ihnen flüstert – und vielleicht gerade heute Abend einen Change in Ihrem Leben erwirken möchte.

Wir müssen uns nur trauen, denn: "Wir müssen der Wandel sein, den wir in der Welt zu sehen wünschen", meint Mahatma Gandhi.

Es liegt an jedem einzelnen von uns. Jeder kann etwas verändern!

"If you wanna make the world a better place,
take a look at yourself and then make a change!"

("Man in the Mirror", Michael Jackson 1988, lyrics by Siedah Garrett)

Alfred Hruschka