Alfred Hruschka 

ALFRED HRUSCHKA - Eine Annäherung an sein Schaffen
Uschi Edlinger, 2013

Alfred Hruschka hat seinen Zugang zur Kunst nicht auf akademischen Pfaden oder in dogmatischen Lehren gefunden. Sein künstlerischer Weg war autodidaktisch geprägt von permanentem Austausch mit Menschen, der Natur, philosophischen Lehren und Mentoren. Einer dieser war Eva Choung-Fux, die seine Materialexperimentierungen und Druckkenntnisse in eine bildnerische Richtung steuerte. Sie begleitete Hruschka wegweisend über 15 Jahre lang und gab ihm Kraft aus der Anonymität herauszutreten um sich dem Künstlerdiskurs zu stellen.

Der kreative Weg eines Künstlers kann niemals vollendet sein, wie auch Hruschkas Kunstwerke niemals „abgeschlossen“ sind, denn in der Rezeption mit dem Publikum und seinen teils unbewussten Lebenswelten entsteht erst ihre ganz eigene Wirkung.

Jedes Material und jedes noch so unscheinbare Detail, welches in den Objekten des Künstlers zu finden ist, trägt seine ganz eigene Lebensgeschichte in sich. Jute, textiles Gewebe und der Faden -als zusammenhaltende Grundvoraussetzung - sind entscheidende Komponenten im Prozess der Veränderungen, die Hruschka ganz unprätentiös bewirken möchte. Sein respektvoll neugieriger Zugang sowie die Achtung vor beschädigten, vergessenen oder zerstörten Dingen, erlaubt ihm ein direktes Hineingehen in die menschliche Existenz und Historie.

Hruschka sieht sich als Teil des Ganzen, als Künstler, der sich nicht vor sein Werk stellt. Er schreibt nichts vor und zwingt nichts auf. Weder dem Betrachter seiner Werke noch seinen Materialen, denen er sich verpflichtet fühlt, mit denen er lebt, im wechselseitigen Dialog einer gegenseitigen Befruchtung, eines Aufnehmens und Abgebens.

Seine Arbeiten entstehen nicht in genauer Planung und akribischer Vorarbeit am Reißbrett. Sie werden vielmehr erst während des kreativen Arbeitsprozesses erschlossen, wobei sämtliche Einflüsse und Begebenheiten, die dabei "zufällig passieren“ als aktiver Austausch mit dem Material zugelassen werden und so zu Pseudo-Gewolltem mutieren. Alles ist Teil des Ganzen und somit aktiver Baustein einer Transformation.

Schön wäre es, wenn Hruschkas Kunst Veränderungen bewirken könnte. Wenn Objekte, die etwas erlebt haben und mitteilen möchten, den direkten Link zum Betrachter finden und dieser den Mut aufbringt, Wirkungen zu begegnen. Es liegt an jedem Einzelnen, neue Spielarten in seinem Leben zu entdecken und inner-organismische Veränderungen sowie ihre morphologischen Mutationen zuzulassen.

Der richtige Zeitpunkt dafür ist reine Illusion. Nur Ausflüchte unseres infantilen Selbstes, die dem versuchten Schutz unserer narzisstischen Persönlichkeitsanteile dienen und gerade deshalb unbewusst zu Tage treten, um nach plastischen Entsprechungen im Alltag streben.

Leben findet statt. Ist immer jetzt. Im Moment. Wie alle Veränderungen.

Wir sind nicht Herr unserer Zukunft, doch Schöpfer über jeden Moment.

     Lassen wir uns auf Alfred Hruschka ein...
     Vertrauen wir ihm als Begleiter einer Reise, zu unseren ständig wandelbaren Erfahrungen...
     Erliegen wir seinen stillen Objektbotschaften, die im Auftreffen mit unseren Reflexionen,
     ihr Ankommen in einem neuen Seinszustand erleben...

Schließen wir im Betrachten die Augen,
sedieren wir im Wahrnehmen unsere Sinne,
laufen wir regungslos den erfahrenen Materialen entgegen
und verwirren ihre Rätsel.

Unaufhaltsam. Wirkungsvoll.

Die Kunst. Eine Möglichkeit.

Der Künstler. Ein Wandler.