Im Netzwerk 

Im Netzwerk von Natur und Kultur - Maria Huber, 2016

„Ich plane nicht konzeptuell. Ich arbeite mit der Sprache des Materials und seiner Aussagekraft. Der Entstehungsprozess gleicht einer Suchbewegung, in der sich Wissen und Zufälliges unverabredet treffen können“ (A.H.).

Alfred Hruschka (geb. 1950 in Laa/Thaya) arbeitet als freischaffender Künstler in Falkenstein und Wien. Sein seit den 1980er Jahren wachsendes Werk umfasst Textilarbeiten, Bild-Objekte, Skulpturen, Installationen und Performances.
Die Wechselwirkung von Natur, Kultur und Geschichte, die Bezugnahme auf die kunst- und kulturhistorische, wie auch auf die mythen- und symbolgeschichtliche archaische Vergangenheit und deren Relevanz im zeitgenössischen Gesellschaftskontext sind die übergreifenden Themen, die Alfred Hruschka in seinem Kunstschaffen verhandelt. Natürliche, „formlose“ und einfache Rohstoffe wie Jute, Holz, Rebstöcke, Erde, Blüten oder Sand sind sein bevorzugtes Material und der direkten Umgebung des Künstlers entnommen.

Textile Bildobjekte

Stoffe und Textilien prägen Alfred Hruschka seit seiner Kindheit an. Seine Mutter betrieb eine Schneidereiwerkstatt und er selber fertigte in den 1980er und 1990er Jahren Entwürfe für Stoffe an, die er in seiner Siebdruckerei umsetzt. Das textile Gewebe und seine Eigenschaften haben seitdem einen festen Platz in seinem Schaffen eingenommen, sie sind „notwendige Materie und Voraussetzung und Inhalt des Tuns“ (A.H.). In den frühen, bildhaften Arbeiten ersetzen eigene Stoffe, gebrauchte Textilien oder Jutesäcke die herkömmliche Leinwand und dienen als Bildträger. Collageartig vernäht und unter Einbeziehung von Buchstaben, Wörtern oder Zahlen weisen sie zum Teil neodadaistsische Tendenzen auf. Im Unterschied zu den späteren Arbeiten zeichnen sie sich durch eine größere Farbigkeit aus. Nach und nach werden Schnüre, Teebeutel, Erde und ähnliches in die Bildkompositionen integriert und sie werden zunehmend reliefartig und objekthaft.

Netzstrukturen und skulpturale Arbeiten

Fäden, Schlingen und Netze sind ein wiederkehrendes Element und haben für den Künstler eine besondere Bedeutung. Neben der weit reichenden mythologischen und sprichwörtlichen Symbolhaftigkeit ist der Faden bzw. das Netz strukturelles Element zahlreicher Skulpturen und Objekte. Der Faden bzw. die Schnur vermag Dinge zusammenzuhalten, zu schützen und verbinden, genauso wie er sie zu beengen und zu verschließen vermag. Bezeichnend sind die vielen natürlich gewachsenen, alten und knorrigen Rebstöcke, die der Künstler mit Jute und Schnüren gleichermaßen schützend umfängt, wie fesselt. Die Verstricktheit von ungebändigter Natur und gestalteter Kultur wird in diesen Objekten bildhaft vor Augen geführt. Andere Netzstrukturen sind wiederum wie fragile Nester, die Blüten, Laub oder Samen wie Spinnweben festhalten und sie vor dem Verschwinden retten. „Irgendwann aber“, so Alfred Hruschka, „ist der Zustand der Verstricktheit vorbei. Das sinnlose Unterfangen, das Lebensgewebe festhalten zu wollen.“ So erscheint die Netzstruktur schlussendlich als eigenständige skulpturale Figur. Sie ist nur mehr Hülle, ihr Innerstes, das ursprünglich Verschlossene ist entschwunden und nur mehr durch die Form des Netzes erahnbar.

Environment und Installation

Hruschkas Arbeitsweise ist von Anfang an stark vom Material und der unmittelbaren natürlichen Umgebung geprägt. Durch die Arbeit mit vorwiegend vergänglichen Materialien verweist der Künstler auf die Vorgänge des Werdens und Vergehens in der Natur selbst. Natürliche Materialprozesse, wie Verwitterung und Zersetzung werden veranschaulicht und gleich einem objet trouvé ausgestellt oder aber durch bewusst herbeigeführte Transformationen künstlerisch weiterbearbeitet und symbolisch überhöht. Diese Arbeitsweise zeugt von einem Werkverständnis, das die Kunst mit den Zyklen des Lebens und seiner Prozesshaftigkeit kurzschließt und in Verbindung setzt. Am deutlichsten treten diese Reflexionen in Hruschkas Installationen zutage, die mehrere Arbeiten environmental zusammenführen. Hier erschließt sich der ganze Kosmos, die ganze Gedankenwelt des Künstlers: Geburt und Zerfall, Ordnung und Unordnung, Kunst und Leben, vergehende Zeit und individuelle Erfahrung. Die einzelnen Arbeiten präsentieren sich als fragile, flüchtige  und poetische Sinnbilder des Lebens selbst, die uns zu symbolischen Bedeutungszuweisungen und Assoziationen einladen. Immer wieder neu, immer wieder anders, denn:

„Es gibt keine Wahrnehmung, die sich nicht unaufhörlich ändert. Veränderung ist Konzept.“ (A.H.)